GESCHICHTE DER DEUTSCHEN AUS RUSSLAND

Das schwere Schicksal der Spätaussiedler

Aussiedler sind Menschen deutscher Abstammung, deren Vorfahren vor Jahrhunderten aus übervölkerten Regionen Deutschlands ausgewandert waren und heute zurückkehren.

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Chronik aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart

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2.02.1915 UND 13.12.1915


27.05.1915


12.03.1917



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07.11.1917

03.03.1918


19.10.1918


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23.08.1939





22.06.1941


28.08.1941



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08.05.1945


OKT. 1946



26.11.1948




05.03.1953


10.03.1955

09.09.1955
BIS
13.09.1955


1957








06.04.1958


1959




29.08.1964



JANUAR
1965


JUNI 1965



1969



12.08.1970


1971-1982


03.11.1972



ENDE 1972



30.09.1973


01.08.1975




1979


1979




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25.09.1985


01.01.1987



MÄRZ
1989



09.11.1990




26.04.1991




01.07.1991


18.10.1991

18.02.1992


21.02.1992



10.07.1992


AUGUST
1992

FEBRUAR
1993



1994





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1996-2002
Deutsche Kaufleute im Raum Kiew.

Deutsche Baumeister in Wladimir und Susdal.

Deutsche Baumeister in Nowgorod. Älteste deutsche Kolonie.

In Moskau entsteht eine deutsche Siedlung, die erste „Nemetzkaja Sloboda“.

Deutsche Siedler lassen sich zum zweiten Mal in Moskau nieder.

In Moskau entsteht zum dritten Mal eine Ausländersiedlung unter dem Namen „Nemetzkaja Sloboda“.

Deutschen Quirinius Kuhlmann und Konrad Nordermann werden in Moskau als Ketzer verbrannt.

Peter der Große sichert allen Einwanderern freie Ausübung des Gottesdienstes zu.

In der neuen russischen Hauptstadt St. Petersburg erscheint die erste deutsche Zeitung, die spätere „St. Petersburger Zeitung“ (verboten 1916).

Die deutschstämmige Zarin Katharina II. lädt in ihrem ersten Manifest Ausländer zur Ansiedlung in Russland ein.

Katharina II. verstärkt mit ihrem 2. Manifest das Angebot an Ausländer. Es beginnt die Zeit der Masseneinwanderung deutscher und anderer Ausländer.

An der Wolga wird die erste deutsche Kolonie Moninger gegründet. Sie erhält später den Namen Nishnaja Dobrinka (rechtes Wolgaufer) 59 auf der Wiesenseite; 66 Kolonien sind lutherisch, 38 katholisch.

In Zarepta (heute Teil von Wolgograd) wird die Herrenhuter Gemeinde gegründet; im Umkreis von St. Petersburg entstehen die „Nördlichen Kolonien“, in der Ukraine die Belowescher Kolonien und in Zentralrussland Riebensdorf.

In Chortitza und Rosental am Dnjepr entstehen die ersten Kolonien deutscher Mennoniten in der Ukraine.

Gnadenprivileg Pauls I. für die Mennoniten.

Württemberger, Pfälzer, Badener und Elsässer folgen dem Manifest Alexanders I zur Ansiedlung am Schwarzen Meer.

Einwanderung von Württemberger Separatisten in den Transkaukasus.

Gesetzt über die evangelisch-lutherische Kirche in Russland.

Einstellung der staatlichen Förderung für Aussiedler.

Gründung des katholischen Bistums Tiraspol mit Sitz in Saratow.

Deutsche Kolonisten helfen Russland im Krieg gegen die Türkei materiell.

In Russland wird die Leibeigenschaft aufgehoben.

Gründung der „Odessaer Zeitung“.

Beginn der Russifizierungswelle. Aufhebung der Kolonistengesetze.

Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Deutsche Kolonisten beginnen verstärkt aus Russland nach Amerika auszuwandern.

Gründung zahlreicher Tochtersiedlungen.

Erlass über die Begrenzung des Grundbesitzes in den russischen Westgouvernements.

Russisch wird Pflichtfach an deutschen Schulen im Zarenreich.

Verbot der Vergabe von Krediten der Bauernbodenbank an deutsche Siedlereigentümer.

Zwangsrussifizierung: abrupte Umstellung in deutschen Dorfschulen auf den Unterricht der meisten Fächer in russischer Sprache.

Erste russische Revolution, 17. Oktober: Zar Nikolai II. verkündet die Einführung einer gesetzgebenden Reichsduma und die Gewährung bürgerlicher Grundrechte.

Gründung der „Saratower deutschen Zeitung“, 1914 verboten und 1917/1918 kurzzeitig wieder erschienen.

Bei Slawgorod (Westsibirien) entsteht ein geschlossenes deutsches Siedlungsgebiet.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges leben im Russischen Reich 1,7 Mio Deutsche; 300 000 werden zum Dienst in der Armee herangezogen, meist als Sanitäter oder in der „Forstei“.

„Liquidationsgesetze“. Betroffen sind davon zunächst die Deutschen, die 150 oder weniger Kilometer von der russischen Westgrenze leben. Das sind vor allem Wolhynier. Ihr Landbesitz soll enteignet, die deutschen Grenzgebietbewohner nach Osten deportiert werden.

In Moskau werden drei Deutsche ermordet, deutsche Geschäfte geplündert.

Die „bürgerlich-demokratische Februarrevolution“ stoppt die Deportationen („Februarrevolutuion“ wegen des Datums nach „altem Stil“: 27.02.1917).

Kongresse der Russlanddeutschen in Moskau, Saratow, Warenburg/Wolga, Slawgorod und Odessa. Nach Odessa kommen 2 000 Delegierte.

„Oktoberrevolution“ (25. Oktober nach „altem Stil“).

Frieden von Brest-Litowsk mit einer Repatriierungsklausel für Russlanddeutsche.

Der Rat der Volkskommissare genehmigt per Dekret die Errichtung der Gebietsautonomie der Wolgadeutschen (die „Arbeitskommune“).

Auf Revolution und Bürgerkrieg folgt in Russland eine große Hungersnot, die die deutschen Dörfer an der Wolga und im Süden des Landes hart trifft.

Ausrufung der Autonomen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen mit Pokrowsk, dem späteren Engels, als Hauptstadt.

Laut Volkszählung leben in der Sowjetunion 1 238 549 Deutsche.

In Moskau erscheint die „Deutsche Zentralzeitung (DZZ).

Die Zwangskollektivierung macht die Erfolge der kurzen Erholungsphase für die Bauernschaft während der „Neuen Ökonomischen Politik“ (NÖP, NEP, 1921- 1928) zunichte.

Im November und Dezember sind an die 14 000 Deutsche mit ihren Familien aufgebrochen, um über Deutschland nach Amerika auszureisen. Deutschland erlaubt 5 671 Deutschen die Durchreise. Die Abgewiesenen werden von sowjetischen Behörden zurücktransportiert und entweder sofort oder später brutal gemaßregelt.

Offizielle Eröffnung der ersten Hochschule mit deutscher Unterrichtssprache, des „Deutschen Pädagogischen Instituts“ in Engels.

Zweite große Hungersnot an der Wolga und in der Ukraine, eine Folge der Zwangskollektivierung, die besonders die Landbevölkerung trifft.

Die letzten deutschen Kirchen werden entweiht, kein deutscher Priester bleibt im Amt, viele Geistliche werden umgebracht. Die Propaganda gegen Deutschland erreicht ihren Höhepunkt. Deutsche Männer werden in noch viel größerem Umfang als Sowjetbürger anderer Nationalitäten unter fadenscheinigen Beschuldigungen verhaftet und – wie sich oft erst Jahrzehnte später herausstellt – zum größten Teil beseitigt, d. h. erschossen, umgebracht (im Parteijargon nannte man es „liquidiert“). Etwa 55 000 Deutsche kommen dabei ums Leben.

Alle deutschen Schulen außerhalb der ASSR der Wolgadeutschen werden im „Normalfall“ in russische und in selteneren Fällen in ukrainische umgewandelt.

Der deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt lässt Russlanddeutsche für eine kurze Zeit auf eine Verbesserung ihrer Lage hoffen. Die Hoffnung wird aber vom Ausbruch des II. Weltkrieges überschattet. Bei der Volkszählung geben 1 600 624 Sowjetbürger Deutsch als Volkszugehörigkeit („Nationalität“) an.

Nach dem Beginn des deutsch-sowjetischen Krieges überstürzen sich bald die Maßnahmen Moskaus gegen die Russlanddeutschen.

Der Ukas über die Aussiedlung der Deutschen aus den Wolgaregionen. Damit legalisiert der Oberste Sowjet der UdSSR die Deportation seiner deutschen Bürger, die zu dieser Zeit bereits voll im Gange ist.

Durch den Verlauf der Frontlinie am 28.08.1941 ist die deutsche Volksgruppe in der Sowjetunion geteilt. Etwa 75 % befinden sich im sowjetischen, 25 % im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich. Auf die Deutschen im sowjetischen Bereich warten Deportation, Diskriminierung, Kommandantur, Arbeitslager und Tod, auf ihre Landsleute unter reichsdeutscher Hoheit zwei Jahre trügerischer Ruhe, Flucht, Verschleppung, Gerichte, Kommandantur, Arbeitslager, Tod.

Für die Russlanddeutschen gehen auch nach Kriegsende Fronarbeit und Tod in der Verbannung weiter.

In den Sondersiedlungen des NKWD werden 2 463 940 Personen festgehalten. Davon sind 895 637 deutsch und 577 121 ehemalige „Kulaken“ mit einem hohen Anteil an Deutschen.

Der Oberste Sowjet verschärft die Bedingungen für Deutsche mit einem Dekret, das die Verbannung auf ewig festschreibt und für unerlaubtes Verlassen des Aufenthaltsortes 20 Jahre Strafarbeit vorsieht und auch verhängt.

Stalins Tod. Schrittweise Verbesserung der Lage der deportierten Völker.

Sondersiedler erhalten fast zehn Jahre nach Kriegsende endlich Pässe.

Anlässlich des Besuchs von Bundeskanzler Adenauer in Moskau erfährt die Welt, dass in Sibirien, Kasachstan, im Norden des europäischen Russlands und in anderen von Mitteleuropäern gefürchteten Gegenden der Sowjetunion Deutsche „für ewig“ festgehalten werden.

Nach der Geheimrede Chruschtschows gegen den Personenkult im März 1956 gab es einige Verbesserungen für „repressierte Völker“. Kalmücken, Tschetschenen, Inguschen und Karatschajer dürfen in ihre Heimatgebiete zurückkehren, Deutsche (und Krimtataren) jedoch nicht; sie ziehen in Scharen aus ihren Verbannungsorten in wohnlichere Gebiete in Mittelasien, Moldawien, am Kuban oder im Baltikum um. Viele Russlanddeutsche sehen den Umzug auch als Zwischenstation für eine beabsichtigte Ausreise nach Deutschland.

Deutsch-sowjetische Übereinkunft über die Zusammenarbeit des Roten Kreuzes eröffnet Perspektiven für die Familienzusammenführung.

Die Volkszählung ergibt 1 619 000 Deutsche in der Sowjetunion, 75 % von ihnen geben Deutsch als Muttersprache an. Am 24. April 1959 wird das deutschsowjetische Abkommen über Familienzusammenführung geschlossen.

Der Ukas des Obersten Sowjets vom 28.08.1941 wird endlich aufgehoben, ohne dass eine echte Rehabilitierung der Russlanddeutschen oder gar eine Rückgabe ihres Eigentums erfolgt.

Die erste Delegation mit 13 russlanddeutschen Frauen und Männern versucht in Moskau vergeblich mit 600 Unterschriften eine Wiederherstellung der deutschen Autonomie an der Wolga zu erreichen.

Eine zweite russlanddeutsche Delegation reist mit 4 000 Unterschriften nach Moskau, um die Wiedererrichtung der Autonomie zu erreichen, wird jedoch vom ZK abgewiesen.

In der Sowjetunion leben laut Volkszählung 1 846 317 Deutsche. 66,8 % von ihnen geben Deutsch als Muttersprache an; nur 316 Russlanddeutsche dürfen ausreisen.

Abschluss des Moskauer Vertrages zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion über einen gegenseitigen Gewaltverzicht.

Über 70 000 Russlanddeutsche profitieren von der Ost-West-Entspannung. Sie dürfen nach Deutschland ausreisen.

Russlanddeutschen, Griechen, Bulgaren und Armeniern wird per Ukas zugesagt, dass sie wieder frei ihren Wohnsitz wählen können. Der Ukas wird jedoch nicht veröffentlicht.

Die kasachische Regierung unter Kunajew lässt Gerüchte kursieren, dass in Gebieten mit vielen Deutschen (Zelinograd, Taldy-Kurgan, Bajan-Aul) die Gründung autonomer Gebiete erwogen werde.

In Karaganda zerstreuen 400 Milizionäre und Soldaten eine Demonstration ausreisewilliger Deutscher.

In Helsinki wird die KSZE-Vereinbarung unterzeichnet. Für Russlanddeutsche sind die Verankerung der Menschenrechte und Grundfreiheiten, die Verbesserung der familiären Bindungen und Reisemöglichkeiten besonders wichtig.

Laut Volkszählung leben in der UdSSR 1 936 000 Deutsche, aber nur
57 % von ihnen geben Deutsch als ihre Muttersprache an.

In Kasachstan scheitert ein wohl inszenierter Versuch der Deutschen, eine gewisse Autonomie innerhalb der Republik zu erreichen, nach einer ebenfalls inszenierten Gegendemonstration mit der Parole „Kasachstan den Kasachen!“

In Temirtau, Kasachstan, wird ein deutschsprachiges Theater gegründet, das 1991 nach Alma-Ata umzieht und heute nur noch ein bescheidenes Dasein fristet, zumal die meisten Schauspieler nach Deutschland ausgereist sind.

Die sowjetische Nachrichtenagentur „Nowosti“ startet eine Kampagne mit positiven Berichten über die „Sowjetdeutschen“.

Nach dem neuen sowjetischen Gesetz über die Ausreise und Einreise steigen die Aussiedlerzahlen und erreichen in den folgenden Jahren ungeahnte Ausmaße.

In Moskau wird die Gesellschaft „Wiedergeburt“ gegründet, die sich als erstes Ziel die Wiedererrichtung der deutschen Autonomie an der Wolga setzt. In der Sowjetunion gibt es laut Volkszählung 2 036 000 Deutsche.

Ein Vertrag zwischen Deutschland und der UdSSR ermöglicht u. a. deutschen Sowjetbürgern die Pflege ihrer nationalen, sprachlichen und kulturellen Identität. Wird von Russland als Rechtsnachfolgerin der UdSSR übernommen.

Russland erklärt mit dem Gesetz „Über die Rehabilitierung der repressierten Völker“ die seinerzeitigen Repressalien gegen Russlanddeutsche und andere Völker für ungesetzlich und verbrecherisch.

Im Altai wird der 1938 aufgelöste deutsche Rayon Halbstadt wieder hergestellt.

Russland erklärt die Deportation für rechtswidrig.

Der Oberste Sowjet der UdSSR beschließt die Gründung des deutschen Rayons Asowo im Gebiet Omsk.

Präsident Jelzin erlässt ein Dekret über die Bildung eines deutschen Rayons und eines deutschen Bezirks (Okrug) in den Gebieten Saratow und Wolgograd.

Deutsch-russisches Protokoll zur stufenweisen (vier bis fünf Jahre) Wiederherstellung der deutschen Wolgarepublik bleibt ohne Früchte.

Eine Umfrage im Gebiet Saratow ergibt eine sehr große Mehrheit gegen eine Wiederherstellung einer deutschen Autonomie an der Wolga.

Der 3. Kongress der Deutschen in der GUS beschließt die Bildung eines „Zwischenstaatlichen Rates der Russlanddeutschen, die Durchführung eines gesamtnationalen Referendums und die Wahl eines Volkstages der Russlanddeutschen.

Zu Irritationen führt eine Erklärung des Präsidenten der Ukraine, Krawtschuk, über die Möglichkeiten, im Süden seines Landes wieder
400 000 Ukraine- Deutsche aufzunehmen. Am 14. August erklärt das deutschsprachige Moskauer „Neues Leben“ jedoch: „Das Projekt Krawtschuk ist gescheitert.“

In Kiew wird eine aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums von Odessa (gegr. 1794) konzipierte Ausstellung zur Geschichte der Schwarzmeerdeutschen gezeigt.

Der Ausreisewillen der Russlanddeutschen ist nach vielen Enttäuschungen in der Vergangenheit und Versprechungen in der Gegenwart ungebrochen. Hohe Politiker und Beauftragte der Bundesregierungen (Dr. Horst Waffenschmidt, CDU, ab 1999 Jochen Welt, SPD) versuchen zwar ihr Möglichstes, aber alle Koffer sind schon gepackt. Auch der Versuch von Politik und Medien, den Eindruck zu vermitteln, dass sich das Leben für Deutsche zumindest in der Russischen Föderation lohnt, findet nur wenig Beachtung. Ein Neuanfang für das Deutschtum in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion ist nur durch ein totales Umdenken auf allen Seiten möglich.


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